Sapmi…Trekking im Norden


Auf dieser Seite (begonnen am 10.09.2017) findet ihr schrittweise mehr und mehr interessante Informationen zum Trekking im  Norden. Schwedisch-Lappland ist eines der interessantesten Trekking- und Tourengebiete für ausgedehnte Fjällwanderungen in Sommer und Winter, und bietet einzigartige Erlebnisse.



Trekking und Sami

Wohl kaum einem Volk kommen wir mit modernen Trekking so nahe wie den Sami, den Bewohnern Sapmis in Schwedisch-Lappland. Im Deutschen „Lappen “ genannt, ist dies im Norden durchaus kein gern gehörter Begriff!
Ihre Vettern leben daneben auch in den nördlichen Regionen Finnlands, Norwegens und auf der russischen Halbinsel Kola. Lappland (Sapmi) ist somit kein eng geographisch definierter Bereich…es ist vor allem  ein einzigartiger Kulturkreis, der bis in die Frühzeit menschlicher Besiedlung zurückreicht.

Auf unseren Wanderungen in Nordschweden bewegen wir uns in ihren seit Jahrtausenden genutzten Weidegebieten der Rentiere….eine einzigartige Freiheit heute!


Rentiere und Birken

Ohne diese beiden hätten die Sami und ihre verwandten Völker bis nach Sibirien kaum so gut überleben können, als die letzte Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren zu Ende ging. Das abgeschliffene und weite, offene Land wurde unter anderem von der Birke, wohl einem der zähesten und zugleich schönsten Bäume als Pionierpflanze wieder in Besitz genommen. Das Rentier wurde und wird bis heute nahezu komplett verwertet….es hat die Menschen am Leben erhalten.

Die Rentiere

Sie streifen über das Jahr durch Fjäll und Wald und werden von ihren Besitzern dann im Herbst zur Scheide zusammengetrieben. Diese Scheide ist bis heute der wichtigste Tag im Jahr für die Rentierzüchter. …weiterlesen>>

Sie wurden früher zum Zug der Pulkas genutzt,in den sibirischen Völkern auch zum Reiten, ihr frisches., getrocknetes oder geräuchertes Fleisch ist eine Delikatesse und ihr besonders dichtes Fell ist eines wärmsten. Hauchdünne, hohle Haare lassen daraus genähte Kleidung polartauglich werden. Weibliche und männliche Tiere tragen als einzige Hirschart beide ein Geweih, das sehr imposant werden kann. Ihre nahen Verwandten, die nordamerikanischen Karibous sehen ähnlich aus, sind jedoch insgesamt ein gutes Stück größer und schwerer. Alle Rentiere in Schweden heute gehören jemandem, nur in Norwegen gibt es noch letzte Wildrenherden. Früher wurden sie unterschiedlich erfolgreich auch auf Island, Spitzbergen und Grönland angesiedelt. Nach Tschernobyl wurden Hunderttausende Rene gekeult, da sie aufgrund ihrer Nahrung höchst belastet waren. Sie leben zum großen Teil von Flechten, die sie auch im tiefsten Winter elegant und geschickt unter dem Schnee freikratzen. Sie sind echte Überlebenskünstler…und neben ihr Anmut zeichnen eine beispiellose Zähigkeit und Genügsamkeit sie aus.

Ihr Geweih ist ebenso wie ihr feines Leder eine begehrte Ressource und beide sind, wenn richtig verarbeitet, fast nicht kaputt zu kriegen. Griffe, Taschen, Werkzeuge, Schuhe, Jacken, Fellhosen, Rucksäcke, das Zelt,…alles das wurde (und wird teils noch) aus Rentier hergestellt.

Die Birke

Die Vertreter dieser Gattung (lat. Betula) mit ihren Dutzenden vonArten, darunter vielen Naturhybriden, stellen keine hohen Ansprüche an Böden und Klima und kommen auf nahezu allen, auch schwierigen Böden, wie z.B. Moore oder Hochflächen vor. Dabei können sie ebenso staatliche, hohe Bäume (in gemäßigten Zonen) wie auch als kleine, windgeduckte strauchartige Bäumchen (in nördlichen Regionen)  auftreten.

Ihr Holz ist zähhart, langfaserig, gut zu bearbeiten, dauerhaft und je nach Wuchsort unterschiedlich stabil und dicht gewachsen. Die Birken im Norden sind deutlich dichter gewachsen dun haben eine unglaubliche Bandbreite an handwerklicher Nutzung zugelassen…es ist biegbar, schnitzbar und formbar. Dabei sehr leicht bearbeitbar und trotzdem für nahezu alle Zwecke in Haushalt, Jagd und Handwerk nutzbar…die Sami vergangener Jahrhunderte haben unglaublich viele Gegenstände des täglichen Gebrauches hergestellt, die teilweise bis heute in Gebrauch sind. am bekannsten sind wohl das Messer mit Griffen aus Rentiergeweih udn Holz, sowie die Holztasse aus einer Knolle, die sog. Kåsa ( im Deutschen auch Kukksa genannt). Daneben gibt es Werkzeuge, sonstige Gefäße aus Holz oder Rinde, Behälter, Pulka, Schlitten, Ski, Waffen, Jagdgeräte, etc.   Die Blätter sind ebenso essbar wie die Unterrinde, der Saft kann zu Naturheilzwecken ebenso wie als erfrischender Wein genutzt werden, die feinen Wurzeln für Flechtwerk und vieles mehr…..Ohne diese Pflanze und ohne die Findigkeit der frühen Sami wär das Leben im Norden so nicht möglich gewesen…weiterlesen>>

Die typische nördliche Birke in Lappland kommt als knorriger, verwachsener Baumstrauch vor…..die Birkenurwälder im Gebirge sind kaum zu durchdringen und voller Wildtierleben.

Neben Schneehühnern, Eulen und Adlern, Singvögeln sind dort Elche, Füchse, Wiesel, Bären und Vielfraß zu Hause. Es gibt eine Vielzahl an Insekten und Blumen, ebenso kleine Reptilien.


Sami heute
Wer erwartet, im Alltag bunt und folkloristisch gewandete Waldmenschen mit einem Rentier im Schlepp zu sehen, wird enttäuscht…und das ist gut so!

Die Sami legen Wert darauf, aus ihrem alten kulturellen Erbe keinen Big Business und Unterhaltung zu machen…sie sind Sami und leben dies mit ruhigem Stolz, um den sie dabei keine vielen Worte machen. Wir als Gäste können zu einem gewissen Teil daran teilhaben, jedoch wissen sie im Norden auch respektvolle Zurückhaltung und unaufdringliche Betrachtung zu schätzen.

Als Besucher wird man durchaus auch in Augenschein genommen und Einladungen werden vielerorts nicht leichtfertig ausgesprochen. Wie viele Völker, die für Touristen interessante Aspekte bieten, müssen auch die Sami schauen, dass sie die Balance zwischen touristischem Interesse und ihrer Eigenständigkeit sicherstellen…ein nicht immer leichter Balanceakt.
Sie sind dabei aber wohl weniger daran interessiert, möglichst viel Gewinn zu machen, als nach Jahrhunderten der staatlichen Repression eher anerkannt und respektiert zu sein.
An Feiertagen tragen sie ihre verschiedenen Trachten mit Stolz und einer ruhigen Würde, die in anderen Gebieten im Umgang mit Touristen und Besuchern verloren ging.


Moderne Nomaden
Jahr für Jahr ziehen Scharen von Wanderfreudigen und Weite suchenden Gästen aus aller Herren Länder nach dem Norden. Für kurze Zeit werden sie so Teil der Landschaft und Nomaden mit mehr Luxus …aber eben doch so etwas wie vorübergehende Nomaden, die freiwillig den gewohnten Luxus eines behaglichen Heimes gegen ein Zelt oder ein Hütte tauschen. Schon die sog. Wandervögel und Pfadfindergruppen des frühen 20. Jahrhunderts haben sich in den weiten Lapplands mit ihrer spärlichen Ausrüstung bewegt und waren fasziniert von den technischen, handwerklichen und spirituellen Fähigkeiten der nordeuropäischen Rentiernomaden.

Einige ihrer damals führenden Köpfe, wie z.B. Eberhard Köbel, genannt Tusk (der Deutsche) sind monatelang mit ihnen gezogen und haben einzigartige Einblicke in das Leben in den Feuerzelten (Kota),  das Sippenleben, die Entbehrungen und die einzigartige Naturverbundenheit der Sami dokumentiert.

Noch heute sind die tiefgreifenden Spuren der Jahrhunderte währenden Kolonisation Lapplands durch Schweden erkennbar, spürbar und erlebbar. Schwedisch Lappland, in der Sprache der Sami „Sapmi“ genannt, ist ein Teil des schwedischen Staatsgebiets…in den Köpfen vieler jedoch noch immer nur die auszubeutende Wildnis im Norden….Wasserkraft, Wald und Holz, Erze. Seit Jahrhunderten ist Lappland für Geschäftsleute, Konzerne und Regierungen von Interesse.
Durch die geringe Bevölkerungsdichte ebenso wie die weite Entfernung von der Zentralregierung wirkt Lappland weit vom Schuss. Durch moderne Technik und Vernetzung ist es das aber längst nicht mehr.


 Heimat des Windes

Im Gefühl der Sami ist es ihre einzigartige Heimat, die ja auch Hunderttausende jährlich – und manche für den Rest ihres Lebens in ihren Bann zieht. In keinem anderen europäischen Land ist der Geist von Freiheit und Natur so lebendig wie in Schwedisch- Lappland. Wobei das sog. Allemanrät (das sog. Jedermannsrecht ) viel erlaubt und klar klar regelt…weiterlesen>>

Die vielen samischen Bemühungen gehen dahin, ihre Unabhängigkeit von zerstörerischen und extrem ausbeutenden Eingriffen großer Firmen abzuwehren und zu vermeiden, manchmal auch nur erträglich zu gestalten. Jahrhundertelang wurden Sami in vielen Bereichen staatlich bevormundet, bis hin zur offenen Unterdrückung ihrer Minderheitsrechte und auch konfrontiert mit den Versuchen, staatlich erzwungener Assimilation und mussten sich bemühen, ihre Rechte zu behalten bzw. endlich verbrieft zurück zu gewinnen. Die rigorose Ausbeutung der Natur würden sich viele Firmen wünschen – scheitern jedoch bislang in vielen Bereichen. Auch der Großkonzern Vattenfall hat schon hinnehmen müssen, dass auch im Big Buisiness „nicht alles geht“! Anders als viele andere Urvölker haben sie es geschafft, sich mit Institutionen und Vereinen, Publikationen und eigener, unablässiger Beteiligung Gehör zu verschaffen, z.B. in Kultur, Sprache, Dichtung und Gesang, Natur und Naturerleben.

Sapmi ist weit mehr als eine Outdoorsportarena für uns…es ist einer der ältesten Kulturräume Europas, der es geschafft hat, weite Teile seines kulturellen Erbes zu erhalten, zu leben und auch uns zugänglich zu machen.


Unser Wunsch
Als Tourenanbieter und auch als Guide-Academy-Europe wollen wir euch einen offenen und interessierenden Blick auf dieses einzigartige Volk ebenso wie auf ihr Land geben…

Trekking in Sapmi ist einfach nur einzigartig und unglaublich vielseitig. Die folgenden Worte im Eingangsberech des Sami-Museums in Jokkmokk geben auch unser inneres Verhältnis und unseren tiefen Respekt vor diesem einzigartigen Kulturraum, seinen Menschen und ihren Wünschen wieder. Wir wünschen uns, dass die werte der Sami von allen Trekkern respektiert werden….sie sind ein einzigartiges Kulturgut.


Ajtte…das samische Museum in Jokkmokk

Wann immer wir im Norden sind und die Gelegenheit haben, steht das samische Museum in Jokkmokk auf dem Plan….auch nach 2 Dutzend Besuchen in den letzten 15 Jahren ist es nie langweilig. Das alte Lappland ist hier so lebendig wie es auch auf vielen Höfen und Stationen noch ist. Die Mühsal des Lebens unter arktischen Bedingungen zeigt sich hier in einer Deutlichkeit wie heute an keinem anderen Ort in Lappland!

Bilder aus Ajtte