Lapplandtrekking 2015 Kvikkjokk nach Saltoluokta


Tourentagebuch 20.09. 2015, Kvikkjokk


 


Endlich wieder da! Nun ist es fast 5 Jahre her…die Gedanken wandern zurück zur letzten Tour: was für ein Schreck, als ich morgends am Schuhregal der Fjällstation Kvikkjokk stand und meine Stiefel weg waren…erste Schrecksekunde und dann schnell mal alle abfangen, die bald aufbrechen wollen. Und Glück gehabt….da kommt mir ein Deutscher entgegen, der meine Stiefel an hat! Grade geht er Richtung Tür und macht sich abmarschbereit. Der Rucksack steht schon draussen! Seine Frau drängelt bereits….er wäre bereits weg, wenn er nicht noch mal aufs Töpfchen gemusst hätte.
Er hat nicht schlecht gestaunt, als ich mich ihm in den Weg stellte und auf meine Stiefel wies…..:-). Er hat es nicht gemerkt, sagte er….Sachen gibt`s…:-)!
Glück gehabt!

Nun, 5 Jahre später, nach überstandener schwerer Erkrankung, einem Auslandseinsatz und der Kündigung im Öffentlichen Dienst stehe ich wieder am vertrauten Ort. Die Vorfreude bei mir ist groß…größer aber noch ist sie bei Heike, die das erste mal in Lappland ist ( und später verändert nach Hause fahren wird..:-), typischer Fall von Fiberus Nordlandikus!). Schon der erste kleine Erkundungsgang rund um die Gebäude lässt uns das Herz höher schlagen …und entgegen allen Plänen machen wir uns nach Heikes Intervention noch am selben Tag auf die Socken.
Das Wetter ist einfach zu schön……in der Ferne die Zacken des Sarek, vor uns der Wald, der sich bereits hier und dort ins Gelbe färbt, der tosende Fluss …..auf gehts!



Schon nach wenigen Stunden bauen wir unser Zelt quasi mitten auf dem Kungsleden auf und richten uns ein…was gibt es denn Schöneres, als abzusatteln, den Kocher auszupacken und flink das Zelt aufzustellen? Die Stiefel runter und schon ist der Kaffee heiß….es ist einfach nicht zu beschreiben, was mich innerlich grade erfüllt: es war knapp und ich bin doch noch mit dem Rucksack unterwegs. Die letzten 3 Jahre fallen an diesem Abend von mir ab. Es geht weiter….hier warten noch viele Jahre Trekking udn Outdoorabenteuer auf mich!
Und Heike, die immer alles um sich rum ganz tief ins ich aufnimmt, die mit der Sonne wandert und sich an der nordschwedsichen Natur schon jetzt begeistert…sie strahlt über alle 4 Backen un  d kommt im Norden an. Wir freuen uns beide wie Bolle auf die kommenden Tage im Fjäll.


 


22.09.2015, wundersame Begegnung mit einem Norweger

…mitten im Sumpfland kommt hinter uns ein zügig laufender Einzelläufer mit seinem Husky…ein wunderschönes Tier! Er trägt auch sein Päckchen und ganz schnell lässt sich erkennen, dass die beiden sehr gut aufeinander eingespielt sind.

Der Trekkingkollege und wir kommen, wie es eben so geht, schnell ins angenehme Plaudern….das Gespräch nimmt unewartet eine jähe Wendung. Ohne Vorwarnung fragt er uns freundlich lächelnd, warum eigentlich so viele Deutsche stehlen und lügen. Heike und ich sehen uns an..haben wir richtig gehört???
Wir haben.

In mir brodelt es…in all meinen Jahren habe ich sowas hier oben noch nicht erlebt. Ich beherrsche mich mühselig und frage nach, was er meint. Irgendein Gerede über Politik, den Krieg, die Nazis, heutige Trekker…es ist strange und bedrückend. So unvermittelt wie er das lieferte, steht er auf und geht seiner Wege…wir sind nicht traurig. Das Geschehen hat uns die Laune etwas gedüppt…aber nicht allzu lange! das wandern ist zu schön, der Tag zu warm und die Landschaft zu beruhigend…warum also lange grübeln. Zugegeben, Heikle ist da glücklicherweis innerlich beweglicher als ich…in mir flammt immer wieder der Zorn auf. Es dauert ne Weile, um eine Ecke dafür zu finden und mich wieder dem Land zu widmen.



Die Hütten von Parte sind bereits zu und ein stiller, einsamer und wunderschöner Platz empfängt uns! Es ist wie nach Hause kommen. An den Scheiben drücken wir uns die Nasen platt und freuen uns, dass wir unter dem Vordach der Hütte des Stugwardens einen trockenen Platz finden. Denn in der Hütte selber haben sich zwei Herren eingerichtet, die uns reichlich grimmig anschauen..der Ofen glüht und die Körpersprache sagt klar aus um was es geht: Weg mit euch.

Nichts lieber als das..der Norweger und der Österreicher scheinen sich gefunden und geeinigt zu haben. Also dann…bleiben wir eben für uns und suchen uns ein nettes Plätzchen. Das Wetter hat zugemacht und es wird nass…nicht schlimm, aber doch ist es sehr  schön, im Trockenen zu sitzen. Unser Norweger ist auch wieder da und setzt noch eins oben drauf, als er bei uns vorbeischaut. Sein Thema scheint die deutsche Besetzung Norwegens im 2.Weltkrieg zu sein. Da ist kein Beikommen…das spüren wir schnell und kümmern uns nicht weiter drum. Er merkt es auch und geht still seiner Wege. Seltsam, dass Menschen einer nachkommenden Generation sich nicht verträglich an einen Tisch setzen können…zu tief scheinen die Wunden zu sein.

Sei es drum…wir genießen unsere Aussicht, kuscheln uns in Schlafsack und Decke und freuen uns des Wanderlebens. Wie oft haben wir auf den Touren schon ähnliches erlebt….Heike hat im Himalaya ganz andere Unterkünfte erlebt und ich kenne neben dem alten Rauchzelt der Pfadis alle Formen des Schlafens draußen.Und nicht immer war es so gemütlich..:-). Trocken, warm, sicher und satt…also alles grün und gut!

Den Abend verbringen wir mit Kochen und Gucken, Freuen und Lachen. Heike hat sich längst in das Land verliebt und ist mindestens so freudig aufgeregt wie ich, vor über 25 Jahren bei der ersten Tour. Ich bin glücklich, mit ihr hier zu sein und freue mich auf die nächsten Tage. Und sie nimmt Lappland ganz tief in  sich auf…der Virus sitzt:-)


   


23.09.2015
In der Nacht hat es geregnet und sämtliche Reste der zum Glück schon arg dezimierten Lappland Air Force sind zu uns unter das Vordach gekrochen…gruselig, wenn die zusammen feiern:-). Mücken haben einfach keinerlei Freunde..außer sich selber…und die, die sie fressen! Das ist wohl sicher. Es wird besser, als ein leichter Wind vom see aufkommt und die Burschen wegweht.

gegen späten Vormittag tippeln wir nach einem guten Frühstück weiter…noch ein letzter Blick zurück und wir sind spät und irgendwie heute etwas unlustiger auf dem Weg in Richtung der alten Hütte bei Ritak. Die Hütte kennen ich von einigen früheren Touren und bin gespannt, ob sie überhaupt noch steht und nutzbar ist. Vor 5 Jahren war das Dach durch und die Ofenskonstruktion ziemlich desolat. Innerlich richten wir uns auf Zelten ein…obwohl wir beide merken, dass Hütten auch durch unsere Gedanken schleichen..:-).

Der Weg führt uns durch einen knallbunt gefärbten Herbstwald stetig und steiler werdend bergan…unterwegs treffen wir zwei gut gelaunte junge Deutsche, und stellen uns für einen Moment zum Plaudern zusammen. Sie haben schon einen weiteren Weg von Abisko hinter sich…das ist nicht direkt um die Ecke und sie sehen sehr erholt und zufrieden aus. Oben auf der Höhe öffnet sich der Blick über einen Wald, wie wir ihn zu Hause bei aller Pracht einfach nicht finden werden…gelb soweit das Auge reicht.  Das Gelände oberhalb des Ritakjahka ist eine Wanderung für sich wert…mal verblockt, mal gut gangbar, Waldpfade und Wegstücke mit freiem Blick auf den ostwärts liegenden Tjaktjajaure. Die Rucksäcke sitzen gut und die Stiefel drücken auch nicht mehr als sonst..es it eine wahre Pracht und innerlich freuen wir ebenso wie laut an den vielen Kleinigkeiten des Weges. Seien es nun besonder schöne Steine, knorrige einzelstehende Birken, die sich irgendwie an ihrem windigen Standort behaupten konnten. Sie nötigen uns immer wieder Respekt ab…ob es wohl ähnlich zähe Lebewesen gibt, die so hart im Nehmen sind wie diese Birkenzwerge…kaum 5 cm stark, aber wahrscheinlich schon 100 Jahre alt! Auch der Blick an den Gegenhang und ins Tal hinunter macht uns Freude! Am Himmel baut sich grau in grau langsam auf und der Wind frischt auf. Wie schön ist es da zu wissen, dass man alles dabei hat..selbst wenn die Hütte hin oder voll sein sollte. Dann laufen wir eben ein paar Meter weiter und suchen uns eine Privathotel namens „Fjällview“.


 

 

 

 

 

    

 


    

 


So wird es später Nachmittag als wir ordentlich durchgeschwitzt dort ankommen und unser blaues Wunder erleben! Die Hüte ist voll und unsere Hoffnung, der späte Aufbruch möge für Raum und Ruhe sorgen, erfüllt sich nicht….der Herr aus Österreich zieht dasselbe Gesicht wie am Vorabend und auf den wenigen Pritschen liegen ein paar sehr stille Gestalten und jeder ist irgendwie für sich beschäftigt. Sie scheinen auch nicht zusammen zu gehören. Wir machen kurz unsere Aufwartung und ernten denselben Blick…beim Weglaufen dringen aufgeregte deutsche Wortfetzen an unser Ohr. Nix wie weg…zu dieser Ungemütlichkeit und dem Bruch aller lappländischen Sitten im Umgang mit anderen Wanderern stürmen auch die Mücken aus uns los…der kleine Bach vor der Hütte hat den Rasen und die angrenzenden Büsche unter Wasser gesetzt und einen Morast gebildet, der in der durchkommenden Sonne warm dampft. Beim Weglaufen fragen wir uns, wie die Herren und Damen da drin das regeln werden..der ältere Herr aus Österreich hat sich gut erkennbar als Hüttenoberheizungsmaat erklärt und fütterte beim Betreten die glühende Konstruktion so, dass uns der Schweiß mal direkt ausbrach. Wenn der weiter so macht….dann sind die morgen alle durch:-) Ein fieses Grinsen können wir uns nicht verkneifen.

Und wie es beim Trekking eben oft ist: kaum kommen wir aus den letzten Birken raus, öffnet sich ein grandioser Seeblick nach Osten und wir verharren einen Moment…kein Geräuch außer unser Herzpochen und hier und da ein letztes Klatsch, wenn eine der vorwitzigen Mücken doch noch das Zeitliche segnet. Wir gehen noch ein bisschen weiter…naja, eigentlich zieht Heike mich in ihrer aufgenommenen Witterung für traumhafte Plätze, rigoros und ohne Widerspruch duldend vor. Aber das lohnte sich, noch weiter zu laufen und die Hütte eben Hütte sein zu lassen. Hier sind wir ein bisschen unterschiedlich..ich nutze sie sehr gerne und Heike hat lieber die ruhigen , wilden Plätze für sich.
Und sie hat wieder mal Recht behalten……..! Der Blick über unser Zelt hinweg und über den See ist einfach fantastisch!


 

 


Der Text wird schrittweise nachbearbeitet und eingestellt…….schaut wieder rein und lest weiter!


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