Überqueren von Gewässern im Fjäll


Immer wieder müssen auch Gewässer auf Trekkingtouren durchwatet werden (nicht nur im Fjäll im Norden…dort aber je nach Jahreszeit oder Tourengebiet gewiss). Stahlgitterbrücken gibt es hier und dort- manchmal sind sie aber schon abgebaut oder noch nicht aufgebaut, oder durch Hochwasser im Frühjahr beschädigt…oder weg. Dies kann vor allem Holzbrücken oder die Stahlgitterbrücken älteren Typs betreffen, die sehr niedrig sind. Die neueren sind teilweise sehr hochbeinig gebaut, um genügend Platz für das Wasser, Geröll und ggf. mitgeschwemmte Bäume zu lassen. Hier findet ihr einige Tipps zum Durchwaten.



Flüsse und Ströme queren

Mit Hilfe von Stöcken und einigen grundlegenden Regeln kommt man gut über Gewässer…gefährlich ist und bleibt es aber. Brücken sind in vielen Gegenden selten oder werden zerstört. Und so braucht jeder Wildnistrekker grundlegende Gewässerkenntnisse um sich vor Ort ein Bild zu machen und die geeignete Stelle zu finden, um entspannt rüber zu kommen. 

Warum Gewässer queren?

Wer im unwegsamen Gelände, nach einem Bergrutsch oder langanhaltendem, ergiebigen Niederschlägen im Fjäll, im Hochland oder anderen „wilden Landschaften“ an ein Gewässer kommt,…der muss da manchmal einfach rüber. Wenn die Brücke weg ist oder noch nie eine da war und es nur eine Furt gibt, sollte man wissen ( und vorher geübt haben) wie es geht. 

Abwarten

Wenn es regnet, fließt in jeder Landschaft das Wasser dem Gefälle folgend irgendwo in Tälern und Senken zusammen und findet seinen Weg in die Gewässer. So kann in wenigen Stunden der Fluss blitzschnell steigen und sich auch von einem Bachlauf in einen Mahlstrom verwandeln, der eine Menge Druck aufbaut und eine Menge Zeug mitführt! Von Haus aus breitere Flußläufe können dann sehr schnell richtig anschwellen…selbst wenn sie sonst vielleicht nur bis knapp über die Knöchel reichen.
Ggf. muss man eben abwarten und sehen wie sich der Wasserstand bis zum nächsten Morgen zeigt – und warten, bis er wieder fällt!

Allgemeine Gefahren beim Furten

Wie im Bild rechts zu sehen ist, ist der Trekker mit Riesenrucksack und Kleidung, nur gestützt auf einen Stock in einem knietiefen Wasser unterwegs…das ist das Limit! Dafür muss er in dem Fluss schon wissen was er tut. Und der Wasserdruck auf den Beinen ist ganz erheblich. Der kann einen in der Situation schnell von den Füßen holen. 

Treibgut

In jedem Fluss wird Treibgut mitgeführt. Seien es Bäume oder Sträucher. An manchen wilden Flüssen, insbesondere in trüben Gletscherflüssen hört man mitgeführte Steine, die am Grund mitgeführt werden und dabei wild flussab kollern. Treibgut ist per se gefährlich. Einen Fluss zu durchqueren, der solcherlei Dinge mitführt, kann nur abgeraten werden. Bei Hochwasser sollte die Furtung insgesamt verschoben werden.

Temperatur

Wasser kann so eisig sein, dass man nach wenigen Sekunden seine Zehen nicht mehr spürt und die Beine sofort unterkühlt werden…d.h. je kälter ein zu querendes Wasser ist, desto besser muss man es im Auge haben, wo und wie man quert und sich darauf konzentrieren. Man sollte sich auch einen Plan zurecht gelegt haben, dem man folgt, falls man darin doch baden geht – wer vorher denkt und in sicheren Gefilden auch mal übt, vermeidet Panik im Notfall.

Strömung

Ein Gewässer muss gelesen werden wie ein Berghang – wo läuft die Strömung? Wo wird der Fluss enger und reißender? Wieviele und wie große Unterwasserhindernisse sind zu erkennen, wie ist das Ufer gegenüber? Wo gibt es flache Stellen mit weniger harter Strömung, wo sind kleine Sand- oder Kiesbänke in der Mitte? Jedem, der in einer wirklich einsamen Gegend trekken gehen will, kann geraten werden, sich mit den Grundlagen des Kanufahrens zu beschäftigen…denn es sind dieselben Fragen!


Schuhe

Es gilt der eiserne Grundsatz: NIE ohne Schuhe furten! Wenn das Wasser kalt genug ist, merkt man ggf. nicht einmal, wenn es einem die Füße verdellert und aufreißt! Wer ohne Schuhe geht, geht unsicher und tastend- und bietet so der Strömung erhebliche Angriffspunkte-. Im Gegensatz zu einem festen Tritt mit Schuhen. Als Schuhe kommen Sandalen ebenso zum Einsatz wie originäre Watschuhe oder vorne geschlossenen Kanulatschen. Das Mehrgewicht ist sein Gewicht in Gold wert!


Stöcke

Ohne Stöcke sollte keine Furtung gewagt werden. Das 3. oder 4. „Bein“ ist ebenso Gold wert wie Schuhe. Auch stabile Trekkingstöcke können unter richtig hartem Wasserdruck das Flattern und Biegen anfangen- bis zum Bruch! Holzstöcke sind eine zigtausendfach erprobte Variante aus alten Tagen. Hat man keinen Holzstab zur Hand, sollten die Trekkingstöcke so kurz wie möglich eingestellt werden und die Hände keinesfalls in die Schlaufen gesteckt werden. Der Einsatz der Stöcke kann hier nicht beschrieben werden. Da hilft nur Ausprobieren und Üben. Die Schweden und Norweger schätze es übrigens gar nicht, wenn an den Furten in den Wäldern ständig neue Stöcke geschnitzt werden…an jeder Fjällstation stehen überzählige Stöcke rum, die man nehmen kann.


Rucksack

Rucksack straff an den Körper oder Riemen für den potentiellen Sturz ganz weit? Beides hat Nach – und Vorteile. Eine „offizielle“ Lehrmeinung gibt es nicht. Wer den Fluss vor der Furtung erkundet, sollte sich auch überlegen, welche Gefahren zu erkennen sind, wenn er doch reinfällt…und sich dann auf seine Erfahrungen in der eigenen Vorbereitung verlassen.


Sturz

Wer stürzt verhält sich wie ein gekenterter Kanufahrer!  Ggf. den Rucksack lösen, als Schwimmpaket nutzen oder sich mit Füßen voran und Blick voraus flussab treiben lassen, bis man an einer passenden Stelle an Land geht. 


In der Gruppe

In der Gruppe kann man sich auf verschiedenen Art durchbewegen. Die immer wieder gerne beschriebenen Verfahren mit Anseilen, Kette bilden etc. lassen wir hier weg…dazu gehört echte Ausbildung und sehr viel Übung!
Allerdings kann man sich unterstützen. Unterhalb der Furt können sich 1 oder 2 Mann positionieren die sich entweder beim Sturz um den Schwimmer oder um seine Ausrüstung kümmern(Absprachen treffen! Sonst rauschen beide durch….), oder mit einem Wurfsack bereitstehen.

Auf keinen Fall irgendwen an irgendwas festbinden oder seile im Wasser spannen.



Schwimmhilfen an Seen oder langsamen Fließgewässern

BITTE diese nie aus Jux und Dollerei nutzen…das sind absolute Notfallhilfen wenn es gar nichts anderes mehr gibt UND Schwimmen sein MUSS! (Waldbrand im Nacken, Hilfe für jemanden in Todesgefahr  ranholen, sowas…!). Insofern raten wir von geplantem und leichtfertigem Einsatz definitiv ab.
Auch hier halten wir uns kurz…nicht umsonst werden derartige Techniken intensiv in der militärischen Ausbildung geübt.

Schwimmhilfe mit 2 Hölzern unter dem Arm

2 entastete Hölzer von ca. 15 cm Durchmesser und 2 m Länge ergeben eine nicht allzu bequeme aber passable Schwimmhilfe. Bindet man sie vorne und ggf. auch hinten mit einem Strick zusammen, so das sie nicht auseinanderdriften können. kann man sie kaum verlieren. Denn Rucksack kann man dann am Strick hinter sich herziehen.Hat man sperriges Zeug wie Stangen oder langschäftiges Werkzeug, kann dies vorne quer aufgebunden werden.


Schwimmhilfe aus dem Rucksack (sog. Ponchopaket)

Der Rucksackinhalt wird innen drin wasserdicht verpackt, alle Tascheninhalte ebenfalls. Stiefel, Umhängetaschen etc. werden mit dem Rucksack auf die Plane gelegt und dann ordentlich und straff eingepackt. Danach mi einem kräftigen Strick zusammenschnüren und gut verschnüren. Ggf. am Ende eines längeren Seilstückes eine leere Flasche als Platzanzeiger anbinden  wenn sich das Paket mal losmacht. Siehe auch beim Outdoortiop des Monats…>>


Schwimmbündel aus Holz oder Schilf

Analog zu Schwimmhilfe mit 2 Hölzern


Schwimmhilfe/ Behelfsfloß aus 4 gut verpackten Rucksäcken

Auf 4 Rucksäcken, die oben und unten mit 2 langen Stangen und Querstangen gut verschnürt gesichert werden, lässt sich ein Floß, z.B. für eine Person bauen. Es kann auch wie ein Kanu gepaddelt werden!

Bindet man an der Längsseite links und rechts mittig einen weiteren Rucksack an, kann man auf dem „Floß“ eine erwachsene Person auch liegend und ohne übermäßige Gefahr des Kenterns über ein Kleingewässer ohne gravierende Strömung bringen. Dabei müssen zwingend links und rechts Personen nebenbei schwimmen und die Person ggf. sichern.

NIE festbinden!